Ich liebe es, zu reisen. Neue Länder und Landschaften entdecken, fremde Kulturen erleben, Menschen begegnen, die ganz anders leben – das ist für mich wie in eine Anderswelt eintauchen. Schon die Reisevorbereitungen machen mir Freude: Gemeinsam in der Familie zu überlegen, wohin es gehen könnte, ist jedes Mal ein kleines Abenteuer. Was brauchen wir alle, was wünschen wir uns von diesen Ferien? Welches Land, welche Landschaft, welche Reiseart kann das zusammenbringen?
Dabei plane ich gerne. Ich suche, finde, vergleiche, stimme ab. Doch spätestens im Urlaub zeigt sich: Nicht alle haben zur gleichen Zeit Lust auf das Gleiche. Mein Mann liebt es, einfach mal die Füße hochzulegen, während die Kinder voller Energie nach Abenteuer rufen. Und ich? Ich will beides: erleben und entspannen. Ja super – wie gelingt es, all diese unterschiedlichen Wünsche tatsächlich zu leben?
Planer oder Spontane*r – welcher Reisetyp bist du?
Wenn die Sonne hoch am Himmel steht und es draußen richtig warm wird, zieht es viele von uns in die Ferne – sei es ans Meer oder in die Berge. Endlich Ferien! Doch wie wir diese gestalten, ist ganz verschieden: Die einen planen alles akribisch, die anderen lassen sich lieber treiben.
Der Planer: Sicherheit durch Struktur
Der strukturierte Reisetyp lässt nichts dem Zufall. Der Reiseführer ist vorbereitet, die Anfahrt geplant, die Sehenswürdigkeiten mit Öffnungszeiten notiert. Diese Menschen schöpfen ihre Ferien aus wie ein gut komponiertes Programm. Sie nehmen viel mit – an Eindrücken, Wissen, Erfahrungen. Und kehren erfüllt und reich beschenkt zurück.
Der Spontane: Freiheit im Fluss
Auf der anderen Seite stehen die Spontanen. Sie leben in den Tag, schauen morgens nach Wetter und Stimmung und entscheiden dann. Vielleicht ein Picknick hier, ein Spaziergang da, ein unerwarteter Halt unterwegs. Genuss ist das Ziel, und der Weg ist Teil davon. Kein Stress, kein Muss – dafür Achtsamkeit und innere Ruhe.
Zwei Seiten einer Medaille
Ich sehe mich in beiden Typen wieder – und vielleicht geht es dir ähnlich? Ich liebe das Planen, aber ich brauche auch das Treibenlassen. Gerade mit Freunden oder Familie ist es oft ein Balanceakt: Wie schaffen wir es, dass jede*r auf seine Kosten kommt, ohne dass einer zu kurz kommt oder sich verbiegt?
Darum geht es mir in diesem Artikel: Nicht darum, einen Reisetypen über den anderen zu stellen – sondern darum, wie wir das Verbindende dazwischen finden können. Und mehr noch: Wie wir im Kleinen, in unseren Ferien, das proben können, was wir uns auch im Großen für unsere Gesellschaft wünschen.
Urlaub als Übungsfeld für Wandel
Wir leben in einer Zeit des Wandels – gesellschaftlich, wirtschaftlich, politisch. Vieles ist im Umbruch, viele suchen nach neuen Formen des Miteinanders, nach echter Beteiligung und gegenseitigem Verständnis. Und oft fragen wir uns: Wo fangen wir an?
Meine Antwort: Bei uns selbst. In kleinen, machbaren Schritten.
Ferien können ein wunderbares Übungsfeld dafür sein. Statt in alten Mustern festzustecken – entweder voll durchgetaktet oder völlig planlos – können wir neue Mischformen ausprobieren. Einen Rahmen geben, ohne zu kontrollieren. Strukturen schaffen, die Freiraum ermöglichen. Bedürfnisse ernst nehmen, auch die eigenen.
Die verbindende Variante: Struktur mit Spielraum
Wie könnte das konkret aussehen? Zum Beispiel so:
- Plane gemeinsam mit deiner Reisebegleitung die Eckpunkte: An- und Abreise, Unterkunft, vielleicht 1–2 Ausflüge.
- Baue bewusst Freiräume ein: Vormittage ohne Programm, Nachmittage zur freien Verfügung.
- Schaffe Raum für Ich-Zeit: Eine Stunde lesen, spazieren, Yoga – auch (oder gerade) in den Familienferien.
- Sprecht euch morgens ab: Wie geht es jedem heute? Was wünscht ihr euch? Wer macht was gemeinsam – und wer mal was allein?
Getrennt erleben – gemeinsam erzählen
Auch im Urlaub müssen nicht alle alles zusammen machen. Vielleicht geht die Tochter lieber mit der Mama ins Museum, während der Sohn mit dem Papa Rad fährt. Oder jeder gönnt sich mal eine Stunde ganz für sich. Danach trifft man sich beim Abendessen wieder und tauscht sich aus. So entstehen nicht nur entspanntere Tage, sondern auch neue Nähe und echtes Interesse füreinander.
Urlaub als Keimzelle für neue Strukturen
Wenn wir das im Kleinen erleben – wie gut es tun kann, Bedürfnisse abzustimmen, Räume zu schaffen, Unterschiede zuzulassen – dann können wir diese Haltung auch mitnehmen in den Alltag. Und weiterdenken. In Gemeinschaften, Teams, Familien. So entsteht Wandel – nicht durch große Forderungen, sondern durch gelebte Praxis im Kleinen.
Probier’s aus – und teile deine Erfahrungen!
Hast du Lust, in diesen Ferien etwas anders zu machen? Einen neuen Umgang mit Planung und Freiheit zu üben? Dann probiere es aus – in kleinen Schritten, ganz ohne Druck. Und wenn du magst, teile in den Kommentaren: Was hast du ausprobiert, und wie ist es dir damit ergangen?