Neues Jahr, alte Muster? Ein kleiner Perspektivwechsel für den Januar

Der Januar steht für Neubeginn. Viele starten mit guten Vorsätzen: weniger Alkohol, mehr Bewegung, bewusster leben. Aktionen wie der „Dry January“ zeigen, wie hilfreich es ist, wenn wir nicht allein sind. Gemeinsam fällt Verzicht oft leichter.

Und doch erleben wir es jedes Jahr: Viele Vorsätze halten nur ein paar Wochen. Sobald Stress oder Emotionen dazukommen, greifen wir wie von selbst auf alte Gewohnheiten zurück. Nicht, weil wir zu schwach sind, sondern weil diese Muster tief in unserem Körpergedächtnis verankert sind.

Veränderung beginnt deshalb selten mit Willenskraft allein, sondern mit Bewusstsein.

Paolo Coelho erzählt dazu eine wunderbare Geschichte:

Vom Daumenlutschen und von anderen Lastern

Ein 32-jähriger Patient suchte den Therapeuten Richard Crowley auf:
„Ich kann einfach nicht mit dem Daumenlutschen aufhören.“

„Machen Sie sich darüber keine Sorgen“, beruhigte ihn Crowley.
„Lutschen Sie einfach jeden Tag an einem anderen Finger.“

Von da an musste sich der Patient jedes Mal, wenn er die Hand zum Mund führte, bewusst für einen Finger entscheiden, der an diesem Tag dran sein sollte.
Die Woche war noch nicht um, da war er geheilt.

„Wenn ein Laster zur Gewohnheit wird, ist es schwierig, mit ihm umzugehen“, meinte Richard Crowley.
„Doch wenn es von uns eine neue Haltung, neue Entscheidungen, eine Wahl verlangt, wird uns bewusst, dass es diese Anstrengung nicht wert ist.“

Das Entscheidende ist nicht der Verzicht – sondern der Moment des Innehaltens. Wenn wir bemerken, dass wir etwas tun, entsteht Wahlfreiheit. Wir müssen nichts sofort ändern. Allein das Wahrnehmen unterbricht den Autopiloten.

Nachhaltige Veränderung darf langsam sein. Über den Körper, über Spüren, über ein freundliches Hinwenden zu dem, was gerade da ist. In der körperorientierten Arbeit, etwa im Somatic Experiencing®, wird genau das genutzt: Das Nervensystem wird eingeladen, neue Erfahrungen zu machen, statt alte Muster zu bekämpfen.

Vielleicht geht es in diesem Januar also weniger um perfekte Vorsätze.
Und mehr um neugieriges Beobachten.

Denn Bewusstsein verändert – oft ganz leise.

Woran merkst du in deinem Körper, dass du gerade in ein altes Muster rutschst?

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