Der Dezember hat seinen ganz eigenen Rhythmus – nur selten unseren. Während die Natur sich zurückzieht, Kraft sammelt und zur Ruhe kommt, befinden wir Menschen uns genau dann im vielleicht hektischsten Abschnitt des Jahres. Besonders Frauen spüren diesen Druck: berufliche Projekte, familiäre Erwartungen, organisatorische Aufgaben, soziale Verpflichtungen – und mitten darin der Wunsch, es allen recht zu machen.
Doch wo bleibst du?
Viele Frauen berichten, dass sie einfach weiterfunktionieren, als wäre es das Normalste der Welt. Manche sagen sogar: „Ich habe Angst, dass ich nicht mehr hochkomme, wenn ich mich ausruhe.“ Dieser Gedanke sitzt tief. Ruhen wird gleichgesetzt mit Schwäche – dabei ist das Gegenteil wahr.
Was die Stewardess im Flugzeug uns eigentlich sagen will
Vielleicht hast du die Durchsage im Flugzeug schon oft gehört, ohne sie wirklich zu verinnerlichen:
„Im Notfall setzen Sie zuerst Ihre eigene Sauerstoffmaske auf, bevor Sie anderen helfen.“
Klar – niemandem ist geholfen, wenn du selbst ohnmächtig wirst, während du versuchst, jemand anderen zu retten. Und doch leben viele Frauen im Alltag genau andersherum: Sie geben, funktionieren, halten zusammen – und hoffen, irgendwo zwischendurch noch Luft zu bekommen.
Dabei gilt ein Satz, den du dir immer wieder sagen darfst:
Ich bin die erste und wichtigste Person in meinem Leben, mit der ich täglich zu tun habe – mein Leben lang.
Nicht aus Egoismus.
Sondern aus Verantwortung.
Warum wir so leicht ins Funktionieren rutschen – und warum das biologisch sogar sinnvoll ist
Wenn dein Alltag hektisch wird, du viel organisierst, dich kümmerst, Probleme löst und es allen recht machen möchtest, schaltet dein Körper automatisch in einen Modus, der Jahrtausende alt ist: den Stressmodus.
Dieser Modus ist eigentlich etwas Gutes.
Er ist dafür gemacht, dich zu schützen. Wenn Gefahr droht – der berühmte Tiger – dann braucht dein Körper alle Energie für Kampf oder Flucht. Schmerzen werden heruntergeregelt, innere Empfindungen gedämpft, das Denken fokussiert.
Für kurze Zeit ist dieser Zustand lebensrettend.
Nur:
Unser modernes Leben hält uns oft dauerhaft dort. Wir kämpfen nicht mit Tigern – wir kämpfen mit Termine, Erwartungen, Erschöpfung. Das System, das für Minuten gedacht war, läuft stunden- oder tagelang. Und genau dann verlieren wir das Gefühl für uns selbst.
Der Körper meldet sich erst, wenn er nicht mehr anders kann. Und viele Menschen deuten das dann als Schwäche – dabei ist es ein spätes Warnsignal.
Wir regulieren uns miteinander – oft stärker, als uns bewusst ist
Es gibt noch eine zweite, wichtige Ebene: Wir Menschen sind soziale Nervensysteme. Wir regulieren uns ständig gegenseitig. Das nennt man Co-Regulation.
Du kennst es wahrscheinlich gut:
In der Nähe sehr nervöser Menschen wirst auch du unruhiger.
Bei jemandem mit ruhiger, präsenter Ausstrahlung wirst du gelassener, tiefer, stabiler.
Ruhige Präsenz nährt. Sie wirkt wie ein innerer Anker. Ein Gegenpol zum inneren Laufen.
Doch Vorsicht: Nicht jeder „ruhige“ Mensch ist präsent. Auch Menschen im Schock wirken still – aber innerlich wie erstarrt. Wahre Ruhe zeigt sich nicht im Stillstand, sondern in Lebendigkeit, Atem, Präsenz.
Ein sanftes Pendeln zwischen Aktivität, ruhigem Sein, Kontakt zu anderen und Kontakt zu dir selbst – das ist der Rhythmus, den unser Nervensystem liebt. Er macht flexibel, kräftigt und schenkt echte Regeneration.
Warum der Dezember besonders anstrengend ist
Während die Natur im Winter zur Ruhe kommt und Energie sammelt, gönnen wir uns genau dann – in der Vorweihnachtszeit – am wenigsten davon. Wir schlafen später, bleiben länger aktiv, überfordern uns emotional und körperlich. Dazu kommt das wenige Tageslicht – und plötzlich ist unser inneres System nicht mehr im Gleichgewicht.
Viele Frauen spüren im Dezember eine tiefe Nachmittagsermüdung. Das ist kein Versagen. Es ist Biologie:
Weniger Licht, mehr Stress, weniger Schlaf – und die innere Energie, die im Winter eigentlich aufgefüllt werden soll, wird weiter verbraucht.
Wenn wir gegen diesen Rhythmus ankämpfen, erschöpfen wir uns.
Wenn wir ihn respektieren, finden wir zurück in unsere Kraft.
Rückverbindung entsteht im Körper – nicht im Kopf
Der Kopf löst Aufgaben, der Körper löst Stress.
Doch wir versuchen oft, Stress zu denken, statt ihn zu fühlen.
Rückverbindung bedeutet:
in deinem Körper anzukommen, dich zu spüren, wahrzunehmen, was du brauchst. Dafür reichen manchmal wenige Sekunden – eine kleine Geste, ein Atemzug, ein Moment von Nähe zu dir selbst.
Hier zwei kleine Körper-Übungen, die dich unterstützen:
Mini-Übung 1: Hand aufs Herz – ein Moment von echter Verbindung
Lege eine Hand auf dein Herz und spüre die Berührung und die Wärme.
Atme auf 4 ein. Beachte die kleine Pause. Atme auf 6 aus.
Mit jedem längeren Ausatmen verlängert sich die Phase, in der das Herz ein bisschen ruhiger pumpen kann. Das wirkt sich positiv auf das Nervensystem und das Gehirn aus. Wir senken so die Stresshormone und kommen etwas mehr zur Ruhe.
Und die Berührung sagt uns: Ich bin da. Ich bin bei mir. Ich bin lebendig.
Bleibe ein paar Atemzüge bei deiner Hand, bei deinem Brustkorb, bei dir.
Mini-Übung 2: „Socken spüren“ – Erdung in Sekunden
Diese Übung ist ideal, wenn du viel im Kopf bist.
Lenke deine Aufmerksamkeit zu deinen Füßen. Spüre den Kontakt zum Boden, die Wärme oder Kälte in deinen Füssen, die Textur deiner Socken. Beobachte nur – neugierig, offen, spielerisch.
Du wirst merken: In wenigen Sekunden bist du wieder da, präsent, in deinem Körper.
Für deine Seele: Eine kleine Liebesbotschaft an dich selbst
Schicke dir eine Sprachnachricht oder schreibe dir einen Brief. Sag dir, was du gut gemacht hast, was du an dir magst und wertvoll findest.
Wir warten oft darauf, dass andere uns sehen – doch wir können nur annehmen, was wir selbst glauben und verkörpern. Beginnen wir also damit, uns selbst zu würdigen.
Fazit: Dein Licht im Advent
Der Dezember ist laut, voll, dicht. Doch in dir gibt es einen Raum, der still ist. Einen Raum, den du betreten kannst, wenn du zu deinem Körper zurückkehrst.
Das Licht der Rückverbindung brennt nicht irgendwo – es brennt in dir. Und vielleicht ist dieser Advent genau der Moment, in dem du sagst:
Ich bin wichtig. Ich bin da. Und ich kümmere mich zuerst um mich – damit ich aus voller Kraft für andere da sein kann.
Verbindung
Mit mir
Achtsam und behutsam
Liebevoll und ganz präsent
SEIN
ja, genau
Danke fürs Teilen, Agnes
so schön
gemeinsam heilen wir